Das Camp 2016: „Kannst du auch ohne?“

Meine erste Woche im Praktikum bei der DROBS Lüdenscheid begann gleich mal… ungewöhnlich. Nach dem Motto „man lernt am besten, wenn man kopfüber ins kalte Wasser geschupst wird“ wurde ich gefragt, ob ich als Begleitperson an einem Präventionscamp für Jugendlich im Alter von 11-14 Jahren teilnehmen möchte. Also gleich eine ganze Woche mit Belehrungen und Ermahnungen für Jugendliche, die sich sowieso nichts sagen lassen und ich als nichtsahnende Studentin dazwischen? Na das kann ja was werden!

Wie sich dann jedoch im ersten Gespräch mit René Sadowski zeigte, sollte es wohl doch nicht so schlimm werden.

Die Gemeinschaftsaktion von der Drogenberatung im Märkischen Kreis, dem Fachdienst für Jugendförderung und Kinderbetreuung des Märkischen Kreises und den Jugendzentren Kierspe, Rönsahl und Schalksmühle sollte zwar den Jugendlichen einen Einblick in die Wirkungsweisen und Problematiken von Alkohol, Zigaretten und Cannabis geben, jedoch sollte auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Also wurde ein Zeltlager auf dem Rönsahler Campingplatz „Auf der Gathe“ organisiert.

Als erste Amtshandlung stand Zelte aufbauen auf dem Plan. Neben einem Zirkuszelt, welches  der Kinderschutzbund zur Verfügung stellte und als Treffpunkt für gemeinsame Spiele und Aktionen dienen sollte, wurde zwei Pavillons für die gemeinsamen Mahlzeiten aufgebaut. Ärger bereiteten uns jedoch die Schlafzelte, da sich unter dem gesamten Platz eine einzige, riesige Gesteinsschicht befand, welche es nah zu unmöglich machte auch nur einen einzigen Hering halbwegs vernünftig versenken zu können. Nach vielen Stunden, wilden Flüchen und einigen grauen Haaren mehr, kamen endlich die Jugendlichen im Lager an.

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Im Zirkuszelt wurden die Jugendlichen zunächst von den Campleitern René Sadowski (DROBS) und Evelin Schöffer (Märkischen Kreis) begrüßt. Auch Christian Schwanke (JZ Kierspe), Lara Kahler (JZ Rönsahl) und Kerstin Busse (JZ Schalksmühle) stellten sich den Jugendlichen vor. Anschließend wurden mit Hilfe von Kennenlernen-Spielen Gemeinsamkeiten zwischen den Jugendlichen gefunden, so dass sich innerhalb kurzer Zeit die ersten Grüppchen bildeten. Anschließend hatten die Jugendlichen Zeit zur freien Verfügung. Einige entschieden sich dazu, bei der Vorbereitung für das Abendessen zu helfen und wickelten eifrig Kartoffeln in Alufolie ein. Nach dem gemeinsamen Essen wurde ein Lagerfeuer entzündet und der erste Tag endete bei gemütlichem Beisammensitzen.

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Nach einer kurzen und unruhigen Nacht wurden wir Betreuer um 06:30 Uhr liebevoll von den Camp-Teilnehmer durch lautes herum Gerenne und Geplapper geweckt. Während René versuchte die Gruppe zum allmorgendlichen „Hannes“ zu motivieren, wurde in den Pavillons der erste Kaffee gekocht und das Frühstück vorbereitet.

Gegen 09:00 Uhr machten wir uns für den ersten Ausflug bereit. Es ging in den Kalisho Natursport – Kletterwald Halver, in welchem verschieden Parcours in unterschiedlichen Höhen und Schwierigkeiten auf die Jugendlichen warteten. Dabei stand natürlich der Spaß und Nervenkitzel ebenso im Vordergrund wie das Erfahren und Überwinden der eigenen Grenzen. Jeder Teilnehmer konnte selbst entscheiden, welchen Parcours er absolvieren möchte. Trotz Dauerregen und durchnässter Kleidung war die Stimmung durchweg positiv.

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Da die Wetterprognose auch für die nächsten Tage keine Besserung versprach, wurden im Anschluss an den Ausflug kurzerhand alle Schlafsachen zusammen gepackt und das Lager in die Sporthalle und das Jugendzentrum Rönsahl verlegt. Dankbar für ein Dach über dem Kopf und trockene Klamotten, mümmelten die Jugendlichen zufrieden und auch ein bisschen müde ihre Hot Dogs. Den Nachmittag hatten die Jugendlichen zur freien Verfügung. In der Sporthalle hatten sie die Möglichkeit Fußball und Basketball zu spielen. In der Räumlichkeiten des Jugendzentrums konnte Musik gehört und Billard gespielt werden. Einige der Kinder erklärten sich dazu bereit, beim Kochen des Abendessens zu helfen. Wie wir schnell feststellten, hätte mit der gekochten Portion Spaghetti ganz Rönsahl verpflegt werden können. Immerhin wurden alle satt und konnten noch einmal ihre letzte Energie für das geplante Schattentheater sammeln.  Um das Thema Sucht und Drogenkonsum auf zu greifen, sollten sich die Jugendlichen in Gruppen aufteilen und beim Schattentheater Szenen, wie zum Beispiel eine Polizeikontrolle, darstellen. Während einige Gruppenmitglieder die Szene darstellten, mussten die anderen Mitglieder die Szene erraten und benennen. Die Gruppe mit den meisten richtigen Antworten hatte am Ende gewonnen.

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Der Mittwochmorgen begann im Vergleich zur Vornacht ein wenig ausgeruhter. Die Begeisterung über „Hannes“ hielt sich jedoch nach wie vor in Grenzen. Nach dem Frühstück mussten alle schnell ihre Sachen für den zweiten Ausflug zusammen packen.

Gegen 09:00 Uhr fuhr die gesamte Gruppe nach Plettenberg in das Erlebnisbad „Aqua Magis“, wo nach Herzenslust gerutscht, geplanscht und gekreischt werden konnte. Die Anstrengungen, welche mit so einem Ausflug verbunden sind, zeigten sich schon nach den ersten Kilometern der Heimreise. Verschlafen und ausgepowert kam die Truppe gegen 14:00 Uhr wieder in Rönsahl an, wo bereits alles zum Sandwichessen vorbereitet worden war.

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Nach der Mittagspause kam schließlich die erste „Präventionseinheit“. Doch anders als erwartet wurde den Jugendlichen kein Vortrag gehalten, sondern sie sollten selbst erzählen, was sie über Drogen, Alkohol und Zigaretten wussten. Hier zeigte sich, dass Cannabis bei den wenigsten ein Thema ist, weshalb wir uns im Folgenden über Alkohol- und Tabakkonsum austauschten. Stellenweise konnten Mythen wie „Man wird schneller nüchtern, wenn man Koffein zu sich nimmt“ geklärt werden. Vor allem die älteren Jugendlichen zeigten sich interessiert. Mithilfe des „Methodenkoffers“ sollte versucht werden, einen Suchtverlauf darzustellen. Dazu bekamen die Jugendlichen Karten, auf welchen die einzelnen „Stationen der Sucht“ standen. Diese Karten musste in eine logische Reihenfolge gelegt werden. Als schließlich die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse vorstellten, zeigte sich, dass es immer wieder kleinere Unterschiede in den einzelnen Verläufen gab. René erklärte, dass dies daran liegt, dass jeder Mensch in seinem Verhalten anders ist und es somit auch unterschiedliche Beweggründe gibt, die zu einer Sucht führen.

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Nach dem Abendessen gab es ein weiteres Highlight für die Camp-Teilnehmer. Das geplante Open-Air Kino wurde wetterbedingt in die Sporthalle verlegt. Kerstin Busse brachte aus dem Jugendzentrum Schalksmühle eine Popcornmaschine mit und bereits nach kurzer Zeit verbreitete sich der Duft von süßem Popcorn in der ganzen Halle. Die Jugendlichen machten es sich auf den dicken Turnmatten gemütlich und sahen sich gemeinsam mit den Betreuern den Animationsfilm „Alles steht Kopf“ an. Mit dem Film, welcher das Gefühlschaos während der Pubertät thematisiert,  wurde nochmal das Thema Konsum aufgegriffen. Viele Konsumenten*Innen haben den Umgang mit den eigenen Gefühlen nicht oder nur fehlerhaft gelernt. Deshalb sollten die Jugendlichen darin bestärkt werden ihre Gefühle zu äußern und auf die Gefühlswelt ihrer Mitmenschen empathisch zu reagieren.

Der Donnerstag stand ganz unter dem Motto „Gefühl für den eigenen Körper entwickeln“.

Für den Vormittag waren drei Parcours geplant, bei denen es um Geschicklichkeit, Gleichgewicht und Sinneswahrnehmung ging. In Kooperation mit Bastian Mischnick vom Kinderschutzbund konnten sich die Jugendlichen im Bogenschießen ausprobieren. Beim Sinnesparcours sollten wiederum die eigenen Sinnesorgane erkundet werden. Dazu zählten u.a. Geschmacksproben und das Ertasten von verschiedenen Materialien. Beim Rauschbrillenparcours bauten René und ich einen Hindernisparcours auf, der eine Nacht unter Alkoholeinfluss simulieren sollte. Die Jugendlichen setzten dazu eine Rauschbrille auf und mussten dann versuchen diverse Aufgaben wie z.B. Münzgeld aufheben oder Schlösser aufschließen erfüllen. Sichtlich Spaß hatten die Jugendlichen, als es darum ging über einen Balken zu balancieren oder einen vorgegebenen Weg ab zulaufen. Die Körperhaltung erinnerte dabei schon sehr an die eines „echten“ Betrunkenen.

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Am Abend wurde mit allen zusammen ein Quiz zum Thema Alkohol veranstaltet. Dabei zeigte sich, was die Jugendlichen in den vergangenen Tagen gelernt hatten. Selbst die schwierigsten Fragen konnten sie zum Großteil mühelos beantworten.

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Einen besonderen Tagesausklang gab es an diesem Abend durch eine Nachtwanderung. Bis auf vereinzelte Anwohner, die sich über das zugegebenermaßen etwas lautere Gequassel der Gruppe empörten war auch diese Aktion wieder ein voller Erfolg und sorgte dafür, dass sowohl die Camp-Teilnehmer als auch die Betreuer einen ruhigen und entspannten Schlaf hatten.

Am letzten Tag war schließlich das große Aufräumen und Packen angesagt. Einige der Jugendlichen freuten sich schon wieder auf Zuhause und das eigene Bett, der Großteil hätte das Camp jedoch lieber um noch eine Woche verlängert. Nach einer Runde „Fußballgolf“ und anschließendem Pizzaessen im Jugendzentrum Kierspe gab es zum Abschied eine Feedbackrunde, in welcher jeder noch einmal die Möglichkeit hatte Kritik und weitere Anregungen zu äußern. Anders als zunächst erwartet, kamen jedoch ausschließlich positive Rückmeldungen, was uns Betreuer natürlich sehr freute.

img_8050 img_8084Zusammenfassend kann ich sagen, dass es für mich eine spannende und erlebnisreiche erste Praktikumswoche war. Besonders schön fand ich, dass trotz dieser relativ kurzen Zeit jeder in der Gruppe (s)einen Platz gefunden hat. Sei es das Küchenteam, dass immer fleißig beim Kochen, Tisch eindecken und abräumen geholfen hat oder die angehenden DJ’s, die stets dafür gesorgt haben, dass unsere Aktionen von passender Musik begleitet wurden oder die Auslandsexperten, die uns Einblicke in fremde Kulturen und andere Lebensweisen gegeben haben. Es war eine schöne Woche mit super motivierten und interessierten Jugendlichen, die für jede Aktion und jeden Spaß zugänglich war.

 

Lea Grella

Praktikantin

 

 

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